Mehr Platz haben 13 Mitarbeiter des Vereins Horizont ab sofort für ihre therapeutische Arbeit mit Familien in Nauen | von Jens Wegener
NAUEN - Finalspielspiele im Fußball werden in aller Regel auf neutralem Boden ausgetragen, damit keiner der Kontrahenten einen Vorteil hat. „Wir sind zwar kein Fußballstadion, aber auch ein neutraler Ort“, sagt Christine Pasternak vom Verein Horizont. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Therapeutin mit Familien, Kindern und Jugendlichen, die aus verschiedenen Gründen nur schwer klar kommen in der Gesellschaft oder den Umgang miteinander ohne Hilfe nicht geregelt kriegen. Für eines dieser Angebote – den so genannten begleiteten Umgang – hat der Verein Horizont in der Goethestraße in Nauen gerade neue Räume bezogen. „Es ist größer, es gibt mehr Platz und die Lage ist besser als zuvor in der Dammstraße“, schätzt Christine Pasternak das jetzige Domizil ein. Neben ihr arbeiten hier noch zwölf Sozialpädagogen und Therapeuten, darunter auch vier Männer. Sie erledigen die verschiedenen Aufgaben im großen Komplex der Familienbetreuung. Der begleitete Umgang ist speziell für Eltern vorgesehen, die eine schwierige Trennung hinter sich haben, bei denen es Probleme mit dem Besuchsrecht für die Kinder gibt, oder für Elternteile, die ihr Kind lange Zeit nicht gesehen haben und sich wieder aneinander gewöhnen müssen. „Diese Treffen zum Beispiel von Vater und Sohn oder von beiden Elternteilen und den Kindern finden dann hier bei uns statt. Sie können in der Küche gemeinsam kochen, sich in den Spielzimmern beschäftigen, Musik hören oder im Sommer Zeit im Garten verbringen. Während der gesamten Zeit ist immer ein Mitarbeiter von Horizont dabei, deshalb der Name „Begleiteter Umgang“, erklärt Christine Pasternak. In diesen Fällen müssen die Leute vom Verein Horizont solche Treffen erst mal organisieren, weil sich die Beteiligten nicht einig werden und die vom Gericht festgelegte Umgangsregelung halten. „Dann ist Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis gefragt“, weiß Christine Pasternak und ergänzt: „Das haben die Kollegen.“ Sechs bis acht dieser Fälle pro Jahr betreuen die Horizont-Mitarbeiter. Im Bereich der Familienhilfe – ein weiterer Einsatzbereich von Horizont – sind dagegen etwa 50 bis 60. „Wir sind dann so eine Art Super Nanny und beraten in Erziehungsfragen und dabei, einen geordneten Tagesablauf bei den Betroffenen zu organisieren“, sagt Therapeutin Pasternak. Wobei sich nicht jeder einfach an Horizont wenden kann. Denn alle Fälle prüft und vermittelt das Jugendamt des Landkreises, was auch die Kosten übernimmt.
An der Haft
vorbeigeschrammt |
Justiz: Horizont betreut Geldstrafenschuldner
von Jens Wegener
HAVELLAND. Betrunken mit dem Fahrrad auf öffentlichen Straßen fahren kann zwischen 400 und 600 Euro kosten. Wer das nicht bezahlen kann, landet im Gefängnis. Oder er wendet sich an den Verein Horizont in Nauen, der sich seit 2002 in dem Projekt "Arbeit statt Strafe" engagiert. "Wir versuchen säumigen Geldstrafenschuldnern eine gemeinnützige Arbeit zu vermitteln, was gleich mehrere Vorteile hat", erklärt Sozialarbeiter Christian Freund von Horizont e.V. Zum einen würde den Betroffenen wieder das Gefühl des Gebrauchtwerdens vermittelt. Sie würden in vielen Fällen sogar langfristig auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. "Zum anderem spart der Staat viel Geld, denn jeder Hafttag kostet..." Allein im vergangenen Jahr gab es im Landgerichtsbezirk Potsdam (Havelland, Potsdam und Brandenburg) 600 solcher Klienten, wie die Sünder in der Fachsprache genannt werden. "Tendenz steigend", sagt Freund und begründet: "Immer mehr Leuten fehlt das Geld, ihre Strafen zu bezahlen. Denn etwa vier Fünftel der Betroffenen sind Hartz-IV- oder andere Leistungsempfänger, weiß der Sozialarbeiter. Das Projekt "Arbeit statt Strafe" ist Teil eines landesweiten Netzwerkes "Haftvermeidung durch soziale Integration" (HSI). Gestern hatten sich Arbeitspartner aus allen vier Brandenburger Landgerichtsbezirken bei Horizont in Nauen zum Erfahrungsaustausch getroffen. HSI wird vom Brandenburger Justizministerium und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Praktisch funktioniert "Arbeit statt Strafe" im Havelland so: Der Verurteilte stellt einen Antrag zur Abwendung der Ersatzfreiheitsstrafe und meldet sich dann beim Verein Horizont. "Wir haben eine Liste mit Einrichtungen oder Projekten, wo die Betroffenen ihre Arbeit verrichten können", erklärt Christian Freund. Darunter sind unter anderem das Schullandheim in Schönwalde, die Nauener Tafel, diakonische Häuser oder das Tierheim in Rathenow. "Natürlich sind die Klienten unterschiedlich motiviert, aber unsere Aufgabe als Träger ist es, in individuellen Gesprächen die geeignete Arbeit für sie zu finden." Nur etwa zehn Prozent der so vermittelten Verurteilten brechen ihre Arbeit ab und gehen dann doch ins Gefängnis. Der überwiegende Teil leistet die Stunden ab. Allein im Jahr 2008, so Freund, kamen im Landgerichtsbezirk Potsdam etwa 72 000 Stunden gemeinnütziger Arbeit zusammen.
FREIZEIT: Vergnüglich und lehrreich | von Werner Schmidt
Clownerie, Kletterspaß und Selbsterfahrungen beim Familientag im MAFZ
PAAREN - Celine ist fünf und Kinderclown Manne ihr nicht ganz geheuer. Der kleine Stoff-Igel, den er in der Hand hält, macht immer dann einen unerwartet großen Satz, wenn sie ihn berühren will. Da stimmt doch was nicht. Da kümmert sie sich doch lieber um das schokoladenfarbige Kaninchen, das Manne zum Havelländischen Familientag mitgebracht hat. Das haut nicht ab. Aber die vielen Menschen sind dem Tier auch nicht geheuer, weshalb es sich lieber unter dem aufgeklappten Kofferdeckel verbirgt, in dem der Clown allerlei Krimskrams hat. Bunte Luftballons zum Beispiel, aus denen er blitzschnell Herzen formt oder Tierfiguren knotet. Bei dem herrlichen Frühlingswetter am Sonnabend genossen viele Besucher die Aktivitäten auf dem MAFZ-Freigelände. Das Klettern auf Bierkisten zum Beispiel. Da können auch Große wieder zu Kindern werden. Am Stand der Arbeiter-Samariter-Jugend (ASJ), wo die Glien-Teenies aktiv waren, versuchte die CDU-Landtagsabgeordnete Barbara Richstein den schnellen Aufstieg. Festgegurtet am Sicherheitsseil mit Sturzhelm und angetan mit Sommerschuhen schaffte sie es zwar nicht, der Welt aufs Dach zu steigen, aber sie bezwang immerhin elf Bierkisten, bevor das fragile Fundament nachgab und die Politikerin nicht nur am Seil baumelte, sondern auch noch in der Luft hing. Am Stand des Humanistischen Freidenkerbundes ging es um gesunde Ernährung. Allerlei Gemüse stand bereit, aus dem sich jeder seine eigene Salatkomposition zusammenstellen konnte. Gleichzeitig bestand die Möglichkeit, sich aus Früchten, Fruchtsäften und Milch einen Cocktail zu mixen. Alkoholfrei natürlich. Das Thema Alkohol beleuchtete die Polizei genauer. Für Jugendliche wie junge Erwachsene, die das Alkoholverbot im Straßenverkehr noch nicht so richtig ernst nehmen, gab es die „Suffbrille“. Diese simuliert durch spezielles Glas den Blick eines Menschen mit 1,3 Promille. Damit sollte man dann noch ein Puzzle zusammensetzen. „Ehrlich: Da kommt man sich echt besoffen dabei vor“, kommentierte eine „Testperson“. An mehreren Tafeln präsentierte der Präventionstrupp der Polizei Dutzende von Schülerentwürfen zu Plakaten, die das Thema Vorbeugung zum Thema hatten. Eine Initiative, zu der Polizei und die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) die Schulen des Havellandes aufgerufen hatten.